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Der kreative „Schnauze-Spängler“ Dr. Erwin Würth (1933 bis 2006)

 

Ob bohren, fotografieren, filmen, malen, schreiben, wandern, langlaufen, musizieren oder segeln - Dr. Erwin Würth (1933 bis 2006) beherrschte vielerlei. In Weggis geboren, nach Ausbildungsjahren in Neuenburg, Freiburg und Bern zurückgekehrt, eröffnete er in Weggis seine eigene Zahnarztpraxis. Als Schulzahnarzt kannten und fürchteten ihn Generationen von Kindern. 

Abseits des Zahnarztstuhls zeigte sich jedoch seine besondere Persönlichkeit und der Künstler: Mit weissem Kittel und Katze auf der Schulter fuhr er mit seinem 2-Takter Ciao durchs Dorf und sorgte regelmässig für erstaunte Blicke. Er präsentierte die Katze jedoch nicht nur auf der Schulter, sondern auch im Segelboot. 

Seine grosse Leidenschaft galt dem Film. Er hielt nicht nur die für Weggis wichtigen Sennenchilbi-, Fasnachts- und Rosenfestumzüge fest, sondern drehte Kurzfilme - mit so viel Begeisterung, dass er bald Preise gewann. Seine Werke zeigte er zunächst in einem Hotelsaal in Weggis, später im Sommer auch als Open-Air-Kino im Pavillon. Hierfür hatte er 1984 einen Schmalfilmprojektor und eine Amateurleinwand von 3.5m gekauft. 1986 wurde Erwin Würth im deutschen Münster für seinen Film „Una Piazza“ mit der Euromedaille ausgezeichnet. 

Doch damit nicht genug. Er spielte - begleitet von seinem jüngeren Bruder Rolf - Klarinette und beherrschte das Klavierspiel. Als Vollblutweggiser dichtete er in Weggiser Mundart, illustrierte sein Buch „Wäggiser Poesie“ mit eigenen Aquarellen und unterschrieb stolz als „Schnauzeschpängler, Weggis am See“. 

Als Erwin Würth und seine Frau 2006 eine längere Wanderung unternahmen, verstarb er frühmorgens er in einer Alphütte.

 

 

Inventarnummer 111011; K055, Altes Schulhaus Tab. 7

Aufgezeichnetes Gespräch mit Rolf Würth vom 19.2.2026 / Karin Bernath